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Berufseinstieg

5 Antworten zum Berufseinstieg trotz Corona

Lohnt es sich noch, in meine Traumbranche Gastro einzusteigen?

Darauf wird Ihnen niemand eine endgültige Antwort geben können. Sie müssen für sich eine Auslegeordnung machen, was für Sie wichtig ist und wo Sie bereit sind, Abstriche zu machen. Wir geben Ihnen hier ein paar Gedankenanstösse.

Die aktuelle Krise zeigt, was auch in der Gastronomie passieren kann: Dass sich sehr schnell alles verändern kann. In diesem Sinne haben Sie gegenüber den Berufserfahrenen einen Vorteil. Denn Sie erhalten bereits vor Ihrem möglichen Einstieg einen sehr aufschlussreichen Einblick in die Branche. Die aktuelle Situation zeigt aber auch, dass jede Krise Chancen bietet. Zahlreiche Gastronominnen haben neue Geschäftsfelder gesucht und gefunden. Dies wiederum bietet spannende Perspektiven für einen Berufseinstieg – sofern Sie mit Veränderungen gut umgehen können. Nicht zuletzt zieht der Tourismus wieder an, und die Gastrobetriebe suchen gemäss «Handelszeitung» wieder Fachkräfte und solche, die es werden wollen.

Ist die Gastrobranche immer noch meine Traumbranche?

Corona hat die Gastrobranche stärker als andere Branchen getroffen. So ist die Arbeitslosigkeit gemäss seco im Gastgewerbe im Januar 2021 im Vergleich zum Januar 2020 um 90% gestiegen. Die Gastrobranche hat 2020 im Vergleich zu 2019 einen Wertschöpfungsverlust von bis zu 45% erlitten, also eine massiv kleinere Wirtschaftsleistung erbracht. Zum Vergleich: In der öffentlichen Verwaltung betrug der Wertschöpfungsverlust um die 5%.

Um herauszufinden, ob Sie trotzdem den Berufseinstieg in die Gastrobranche wagen sollen, lohnt es sich, sich ein möglichst vollständiges Bild zu machen: Vielleicht kennen Sie im Freundes- oder Verwandtenkreis Menschen, die in der Gastrobranche tätig sind? Suchen Sie das Gespräch mit ihnen, vielleicht können sie Ihnen hilfreiche Gedankenanstösse geben, welche Sie so in keiner Broschüre finden.

In jedem Kanton finden Sie zudem ein Berufsberatungszentrum, die Kontaktangaben des für Sie zuständigen Zentrums finden Sie hier. Vereinbaren Sie einen Termin und bereiten Sie sich vor: Schreiben Sie alle Fragen auf, die Sie beschäftigen. Der Berater im Zentrum zeigt Ihnen vielleicht Wege und Möglichkeiten auf, an welche Sie selbst gar nicht gedacht haben oder von denen Sie noch nie gehört haben.

Schliesslich stellen die kantonalen Bildungsdepartemente vielfältige Angebote zur Verfügung, um den Berufseinstieg zu erleichtern. Diese reichen von Interessenstests über Schnupper- und Lehrstellenbörsen bis zu individuellen Coachings. Die Kontaktangaben des Bildungsdepartements Ihres Kantons finden Sie hier.

Mit welchen Ausbildungen komme ich in der Gastronomie weiter?

Gastronomie bedeutet mehr, als «nur» dem Gast Essen und Trinken zu bringen. Im Gastgewerbe sind viele Ausbildungen gefragt. Sie finden eine Auflistung der Lehrberufe im Hotel- und Gastrobereich auf der Site der «Hotel & Gastro formation Schweiz».

Auch ein Quereinstieg ist möglich: hotelleriesuisse orientiert auf ihrer Site über die zahlreichen Möglichkeiten, mit einem branchenfremden Abschluss im Hotel- und Gastgewerbe Fuss fassen zu können. Wollen Sie höher hinaus, ist allenfalls eine Hotelfachschule für Sie der richtige Weg. Die Voraussetzungen dafür finden Sie ebenfalls auf der Site der hotelleriesuisse.

Wie kann ich mich trotz Krise vorbereiten?

Wenn Sie nicht gleich eine Lehrstelle oder einen Ausbildungsplatz erhalten, nutzen Sie die freie Zeit: Sie können versuchen, einen Sommerjob in der Gastronomie zu erhalten oder eine Weiterbildung zu absolvieren. Ob ein Sprach-, Barkeeper- oder Baristakurs – alles kann Ihre Chancen auf eine Lehrstellen- oder Jobzusage erhöhen.

Achten Sie jedoch darauf, dass Sie den Kurs an einer Schule oder an einer Institution machen, welche von unabhängiger Stelle zertifiziert ist. Dies gilt auch und insbesondere für Online-Angebote. In der Schweiz ist hier EduQua das führende Qualitätslabel, sowohl für Schulen und Institutionen mit Präsenzunterricht als auch für Online-Anbieterinnen.

Wo kriege ich Unterstützung nach einem Lehrabbruch?

Vorneweg: Am besten holen Sie sich bereits Unterstützung, wenn Sie erst mit dem Gedanken spielen, die Lehre abzubrechen. Die erste Anlaufstelle ist hier grundsätzlich der Lehrbetrieb selbst, beziehungsweise die zuständige Berufsbildnerin oder der Vorgesetzte. Diese sind verpflichtet, Sie zu unterstützen und allenfalls die zuständige kantonale Behörde beizuziehen. Je nach Situation können Sie sich auch direkt an die kantonale Behörde wenden:

- Kantonale Ämter für Berufsbildung

Nach der Anhörung aller Beteiligten empfiehlt diese Behörde nötigenfalls den Vertragsparteien, den Lehrvertrag anzupassen oder unterstützt Sie bei der Suche nach einer anderen Grundbildung oder einem anderen Bildungsort.

Unterstützung finden Sie auch bei folgenden Stellen:

- Kantonale Stellen für Brückenangebote, über welche Sie sich als Jugendlicher nach Abschluss der obligatorischen Schule für eine Berufslehre oder eine andere Ausbildung vorbereiten können;

- Kantonale Zentralstellen für Berufsberatung, neben einer eigentlichen Berufsberatung gibt es teilweise auch Mentoringprogramme und weitere Unterstützungsleistungen;

- RAV, diese können Sie in der Situation des Lehrabbruches insbesondere über die Möglichkeit eines Motivationssemesters informieren;

- Auf der Site berufsbildungplus.ch, einer Initiative von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt (OdA),finden Sie unter #prolehrstellen weitere hilfreiche Anlaufstellen.

Die Lehrabschlussprüfung (LAP) ist teilweise ausgefallen, im Zeugnis stehen auch Vornoten. Muss ich das in der Bewerbung erwähnen?

In der Regel nicht. Der Bund hat sich mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitsmarkt auf ein auf dem Arbeitsmarkt anerkanntes Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis beziehungsweise Berufsattest geeinigt. 2020 fanden keine schulischen Abschlussprüfungen statt, praktische Abschlussprüfungen je nach Kanton und Branche nur teilweise. Den Arbeitgeberinnen in der Schweiz ist bekannt, dass die Qualifikationsverfahren 2020 / 2021 unter besonderen Bedingungen stattgefunden haben.

Falls die ausserordentliche Situation aber für Sie dazu geführt hat, dass Sie von einer Erfahrung besonders profitiert haben oder dass Sie trotz der widrigen Umstände eine exzellente praktische Abschlussprüfung hingelegt haben, sollten Sie das natürlich erwähnen: Denn damit zeigen Sie, dass Sie mit unerwarteten Situationen gut umgehen können. Sie können auch Ihre Lerndokumentation beilegen, falls diese für eine potentielle Arbeitgeberin interessant ist.

Unser Tipp: Bereiten Sie sich darauf vor, dass Ihre potentielle Arbeitgeberin Sie im Vorstellungsgespräch nach den besonderen Umständen der LAP fragt. Wie sind Sie mit der ausserordentlichen Situation umgegangen? Wie gehen Sie allgemein mit Druck um? Haben Sie sich gefreut, dass keine schulischen Abschlussprüfungen stattgefunden haben oder waren Sie enttäuscht? Was können Sie zu den Erfahrungsnoten sagen?

vgl. auch «Checkliste Lebenslauf»

Corona hat meine Pläne auf den Kopf gestellt. Wie erkläre ich die Lücke in der Bewerbung?

Mit Lücken im Lebenslauf sind Sie gerade jetzt sicherlich nicht allein und werden wahrscheinlich auf Verständnis stossen. Wichtig ist, was Sie mit der «Lücke» gemacht haben oder mit anderen Worten, wie Sie mit der Situation umgegangen sind. Allenfalls ist es nämlich gar keine Lücke: Wenn Sie einen geplanten Job nicht haben antreten können, dafür aber für Ihre älteren Nachbarn einkaufen gegangen sind, Kindern Nachhilfeunterricht gegeben haben oder online Ihre Sprachkenntnisse aufgefrischt haben, ist diese Planänderung keine Lücke. Vielmehr ist es die wichtige Erfahrung, die den Unterschied macht und Sie für eine potentielle Arbeitgeberin interessant scheinen lässt.

vgl. auch «Checkliste Lebenslauf»

Den Studienabschluss in der Tasche – aber es gibt kaum Stellen für Berufseinsteiger. Haben Sie die Strategie für mich?

Nein. Die allgemeingültige Strategie gibt es nicht. Mit folgenden Denkanstössen können Sie aber Ihre Chancen auf den erfolgreichen Berufseinstieg verbessern.

Netzwerk aufbauen und nutzen

Fragen Sie in Familie, Freundes- und Bekanntenkreis nach, ob sie Unternehmen kennen, welche Berufseinsteiger schätzen oder ob sie allenfalls gar selber neue Mitarbeiter suchen. Tauschen Sie sich auch mit ehemaligen Kommilitonen aus – wie haben diese den Einstieg geschafft, welche Unternehmen können sie empfehlen? Allenfalls ergeben sich auch in einem Studierendenverein oder Alumniverband wertvolle Kontakte. Zögern Sie zudem nicht, Weiterbildungsveranstaltungen oder Berufsmessen zu besuchen, auch hier können sich wertvolle Kontakte ergeben. Und schliesslich: Stellen Sie sicher, dass Ihr Social Media Profil up to date ist. (vgl. «Social Media Profil»)

«Lücken» vermeiden

Finden Sie nicht unmittelbar nach Ihrem Abschluss einen Job, schadet dies Ihren Jobaussichten nicht. Wichtig ist, dass Sie die Zeit sinnvoll nutzen und dies dann in einem allfälligen Bewerbungsgespräch auch so verkaufen: Lernen Sie das Zehnfingersystem, um bei der Bewerbung für die Auditorinnenstelle am Gericht Aufmerksamkeit zu erregen. Perfektionieren Sie Ihre Französischkenntnisse, um Ihrem Dossier den letzten Schliff zu geben. Versuchen Sie sich im Schreiben, trainieren sie für einen Marathon oder engagieren Sie sich freiwillig für einen guten Zweck – all dies sind Erfahrungen, die Ihnen nicht nur einen Startvorteil verschaffen, sondern von welchen Sie früher oder später im Berufsleben auf die eine oder andere Weise profitieren können.

Denken Sie daran: Die Tätigkeit bis zur Anstellung soll sich beim Bewerbungsgespräch zwar gut vermarkten lassen, jedoch ist das nicht das einzige Kriterium. Die Aktivitäten sollen Ihnen auch Spass machen und eine Stütze in dieser herausfordernden Zeit darstellen.

vgl. auch «Checkliste Lebenslauf»

Praktika in Betracht ziehen

Mit einem Praktikum können Sie erste oder neue Berufserfahrungen sammeln, sich vernetzen und sich sogar in die es kann allenfalls sogar im Anschluss zu einer Festanstellung im Unternehmen führen. Damit sich das Praktikum für Sie aber auch wirklich lohnt, achten Sie darauf, dass der Betrieb Sie angemessen begleitet. Dies einerseits fachlich, das Unternehmen sollte Ihnen aber auch Gelegenheit zur Vernetzung geben.

Achten Sie jedoch darauf, dass Sie nicht zu viele Praktika absolvieren: In der Regel sollte spätestens auf das zweite Praktikum eine Festanstellung folgen.

Berufsstart verschieben

Spielten Sie sowieso schon während des Studiums mit dem Gedanken, nach Ihren Abschluss weiterzumachen, dann ist nun vielleicht der beste Zeitpunkt: Nehmen Sie das Anwaltspatent in Angriff, vertiefen Sie sich in das Thema das Sie immer schon interessiert hat und schreiben eine Doktorarbeit – oder hängen an das Studium eine Berufslehre an.


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