Unterwegs

Zu spät im Büro wegen Zugsausfall! Entschädigt mich die SBB?

Ja, denn der Bundesrat hat das Bundesgesetz über die Personenbeförderung auf den 1. Januar 2021 entsprechend angepasst. Heute haben Reisende ein Anrecht auf Entschädigung im Falle einer Verspätung oder eines Zugsausfalls im nationalen Bahnverkehr, falls sie den Kaufpreis nicht schon zurückerhalten haben. Die Arbeitgeberin hingegen ist weiterhin nicht verpflichtet, eine Entschädigung zu leisten.

SBB muss für Kursausfälle und Verspätungen gerade stehen

Das am 28. September 2018 verabschiedete und am 1. Januar 2021 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Organisation der Bahninfrastruktur passt das Personenbeförderungsgesetz an und verankert so Entschädigungsansprüche im Falle von Zugsverspätungen und Kursausfällen. Bahngäste haben damit Anspruch auf die Rückerstattung des Fahrpreises, Unterstützungsleistungen oder Erstattung von Unterkunfts- oder Verpflegungskosten.

Vor dem 1. Januar 2021 haftete die SBB nur bei verpasstem Anschluss

Vor der Gesetzesänderung basierten Angebote wie die «Sorry-Gutscheine» der SBB auf Freiwilligkeit. Anders als im Flugbetrieb (vgl. Fluggastrechte CH / EU) waren Bahnunternehmen grundsätzlich nicht verpflichtet, ihre Gäste bei Verspätungen und Kursausfällen zu entschädigen. Dies mit einer Ausnahme: Ein Transportunternehmen haftete für den Schaden, wenn es den Fahrplan nicht einhalten konnte und die reisende Person deshalb den letzten im Fahrplan vorgesehenen Anschluss verpasste. In dem Fall konnten Sie Fahrgastrechte geltend machen, so etwa der Verzicht auf die Weiterreise unter Rückerstattung des Ticketpreises oder der Übernahme der Kosten für die Weiterreise mit einem anderen Verkehrsträger. Bei den üblichen Arbeitszeiten tagsüber nützte Ihnen diese Vorschrift jedoch in der Regel nichts.

Arbeitnehmer für Verspätung verantwortlich

Bloss auf Verständnis hoffen dürfen Sie, sowohl nach der früheren als auch nach der aktuellen Rechtslage, bei Ihrer Arbeitgeberin: Kommen Sie wegen eines Zugsausfalles zu spät, handelt es sich um höhere Gewalt. Für diese muss Ihre Arbeitgeberin keine Verantwortung übernehmen und namentlich für die verpasste Zeit keinen Lohn zahlen. Dies muss die Arbeitgeberin bei einem Arbeitsausfall nur dann, wenn die Ausfallgründe in Ihrer Person liegen, klassischerweise dann, wenn Sie krank sind.