Behörden

Muss die Schule mein Kind vor Mobbing schützen?

Während der Schulstunden und in den Pausen ja, da die Schule eine Obhutspflicht hat. Diese hört jedoch bereits auf dem Schulweg wieder auf, weswegen die rechtliche Antwort hier wie so oft höchstens ein Teil der Lösung ist.

Die Eltern geben die Obhut über ihre minderjährigen Kinder an die Schule ab, die während der Unterrichtszeit für deren körperliche und psychische Gesundheit verantwortlich ist. Dabei muss das Lehrpersonal die Kinder nicht in Watte packen – weder eine Schramme noch eine verletzende Bemerkung durch andere Schüler haben rechtliche Konsequenzen.

Genauer hinschauen muss die verantwortliche Lehrperson hingegen bei einem möglichen Mobbing: Dies etwa dann, wenn Schüler Ihr Kind systematisch, häufig und über eine längere Zeit hin verletzen, ausschliessen oder gar körperlich angreifen. Cybermobbing, also wenn im Netz beispielsweise ehrverletzende Bilder von Ihrem Kind kursieren, ist gar strafrechtlich relevant. Neben einer Ehrverletzung kann hier beispielsweise auch der Straftatbestand der Nötigung erfüllt sein. Unternimmt nun die verantwortliche Lehrperson pflichtwidrigerweise nichts gegen Mobbing oder Cybermobbing im Schulbetrieb, verletzt sie ihre Obhutspflicht und kann sich deswegen auch strafbar machen.

Ein Strafverfahren dauert jedoch lange, zudem hört die Obhutspflicht der Schule bereits auf dem Schulweg auf. Eine Anzeige bringt Ihrem Kind wahrscheinlich wenig und sollte höchstens das letzte Mittel sein. In einem ersten Schritt ist es sinnvoller, die verantwortliche Lehrperson mit dem Thema zu konfrontieren und mit ihr zusammen, allenfalls mit der Schulsozialarbeit und der Schulleitung, das weitere Vorgehen zu beschliessen.