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Arbeitgeberin verlangt vertrauensärztliche Untersuchung: Wer bezahlt?

Ihre Arbeitgeberin oder allenfalls deren Taggeldversicherung.

Namentlich falls Ihre Arbeitgeberin begründete Zweifel an dem von Ihnen vorgelegten Arztzeugnis hat, darf sie –jedenfalls sofern dies im Personalreglement oder im Arbeitsvertrag so bestimmt ist – eine vertrauensärztliche Untersuchung in Auftrag geben. Aufgrund der arbeitsrechtlichen Treuepflicht müssen Sie dieser Abklärung in der Regel zustimmen. Umgekehrt ist dieser Eingriff in Ihre Persönlichkeit arbeitsrechtlich nicht erlaubt, wenn es keine objektiven Zweifel an der Richtigkeit des Zeugnisses Ihrer privaten Ärztin gibt oder es sonst für die Arbeitgeberin keinen Anlass gibt, an Ihrer Arbeitsunfähigkeit zu zweifeln.

Kosten der vertrauensärztlichen Untersuchung

Ordnet die Arbeitgeberin eine vertrauensärztliche Untersuchung an, muss sie sich auch um die Rechnung kümmern. Entweder übernimmt sie die Kosten selber. Oder aber, sofern eine Taggeldversicherung vorliegt, sie spricht sich mit der Versicherung ab. Diese setzt ihrerseits allenfalls eine Vertrauensärztin gemäss dem Krankenversicherungsgesetz (KVG) oder dem Versicherungsvertragsgesetz ein, welche die Voraussetzungen der Leistungspflicht der Versicherung überprüft.

Auch Vertrauensärztin ist an das Berufsgeheimnis gebunden

Zwar muss die Arbeitgeberin die vertrauensärztliche Untersuchung zahlen, hat aber damit keinen Anspruch auf die detaillierten Ergebnisse. Vielmehr betrifft ihr Informationsrecht nur Tatsachen, welche die Eignung des Arbeitnehmers für das Arbeitsverhältnis betreffen. Detailliertere Informationen darf die Vertrauensärztin der Arbeitgeberin nur dann liefern, wenn Sie als Arbeitnehmer die Vertrauensärztin vom Berufsgeheimnis entbunden haben. Gibt die Vertrauensärztin Informationen ohne dieses Einverständnis weiter, macht sie sich strafbar, wie auch das Bundesgericht festhält: «Der Arbeitnehmer, der zu einer vertrauensärztlichen Untersuchung aufgeboten wird, darf darauf vertrauen, dass diese Informationen nicht ohne Weiteres an den Arbeitgeber weitergeleitet werden».