Unterwegs

Darf ich mein Auto auf der Autobahn stehen lassen, um Benzin zu holen?

Nein, wie das Bundesgericht mit Entscheid vom 11. September 2020 bestätigt hat.

Nachdem sein Fahrzeug kein Benzin mehr hatte und auf der Überholspur auf der A1 im Stau stehen geblieben ist, stellte der Fahrer hinter dem Fahrzeug ein Pannendreieck auf und wollte zu Fuss Benzin holen gehen. Er verzichtete darauf, die Polizei oder einen Pannendienst zu rufen.

Das Bezirksgericht verurteilte ihn wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von 1 500 CHF. Das Strassenverkehrsamt entzog dem Autofahrer den Führerausweis wegen mittelschwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für vier Monate. Gegen den Ausweisentzug legte der Autofahrer bei dem zuständigen Departement, dem Verwaltungsgericht und schliesslich dem Bundesgericht Beschwerde ein, welches die Beschwerde abwies.

Geparktes Auto auf Autobahn ist eine erhebliche Gefahr

Wer sein Auto auf der Autobahn unbeaufsichtigt verlässt, schafft mehr als nur eine geringe Gefahr für die Verkehrssicherheit und die anderen Verkehrsteilnehmer, denn der Autofahrer riskiert durch dieses Verhalten Auffahrkollisionen. Dies gilt auch im Stau: «[E]r hätte stets mit einer Auflösung des Staus rechnen müssen und habe aufgrund seiner Entfernung zum Fahrzeug die Verkehrssituation nicht voll im Blick gehabt», wie das Bundesgericht unter Verweis auf die Vorinstanz schreibt. Je länger der Autofahrer weg vom Auto blieb, desto höher stieg das Risiko einer Auffahrkollision, weil die Fahrzeuge nach dem zu erwartenden Stauende «wieder mit relativ hohen Geschwindigkeiten unterwegs gewesen wären.» Das Bundesgericht bestätigte deswegen die mittelschwere Widerhandlung.

Leichte und mittelschwere Widerhandlungen sind einfache Verkehrsregelverletzungen

Das Strafgericht hatte den Autofahrer wegen einer einfachen Verkehrsregelverletzung verurteilt. Dies schliesst nicht aus, dass das Verwaltungsgericht denselben Vorfall als mittelschwere Widerhandlung beurteilt: «Mit der Einstufung als mittelschwere Widerhandlung hat die Vorinstanz auch keinen Widerspruch zum Ausgang des Strafverfahrens geschaffen; eine einfache Verkehrsregelverletzung (…) entspricht sowohl einer leichten als auch einer mittelschweren Widerhandlung.»

Das Bundesgericht hat die Beschwerde abgewiesen und den viermonatigen Führerausweisentzug bestätigt.