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Konsum & Internet

Muss ich dem WhatsApp-Klassenchat meines Sohnes zustimmen?

Sie müssen dem Lehrer Ihres Sohnes für die Einrichtung eines WhatsApp-Klassenchats nicht zustimmen.

Einwilligung der Eltern zwingend

WhatsApp verarbeitet personenbezogene Daten. Dies ist gemäss dem schweizerischen Datenschutzgesetz nur erlaubt, wenn die Person ausdrücklich in die Verarbeitung eingewilligt hat. Da Jugendliche bis zur Volljährigkeit noch nicht handlungsfähig sind, können nicht sie in diese Verarbeitung einwilligen, sondern grundsätzlich nur die Eltern. Und diese wiederum können frei entscheiden, ob sie in diese Datenverarbeitung einwilligen wollen oder nicht.

Unentgeltlichkeit der App kein Kriterium

Was nun, wenn der Lehrer Ihrer Tochter argumentiert, sie könne selber in diese Datenverarbeitung einwilligen, da WhatsApp unentgeltlich sei? Bei der Beurteilung dieser Argumentation sind sich juristische Fachpersonen nicht einig. Klar ist jedoch, dass Messengerdienste wie WhatsApp Kontaktdaten verarbeiten, mit denen die User den Dienst schlussendlich „bezahlen“. Im Falle von WhatsApp sind das sämtliche Daten des auf dem Smartphone Ihrer Tochter gespeicherten Adressbuches, die der Messengerdienst auf einen Server in den USA übermittelt.

Mindestalter für WhatsApp

Die im Mai 2018 in Kraft getretene Datenschutzverordnung der EU hat mit der Frage der Zulässigkeit der Klassenchats via WhatsApp in der Schweiz übrigens nur indirekt etwas zu tun: WhatsApp hat als Reaktion auf die neue Verordnung seine Nutzungsbedingungen angepasst. Neu müssen Jugendliche in Europa inklusive der Schweiz mindestens 16 Jahre alt sein, um WhatsApp nutzen zu dürfen. Eine Einwilligung der sorgeberechtigten Personen hilft nur in den Ländern ausserhalb der Europäischen Region. Nach den Nutzungsbedingungen von WhatsApp ist also eine Nutzung des Messenger-Dienstes für Jugendliche unter 16 Jahren in der Schweiz und in der EU überhaupt nicht erlaubt.