Familie

Darf ich die Tochter auf eine gefährliche Bergwanderung mitnehmen?

Ja, sofern Sie damit Ihre Obhutspflicht nicht verletzen.

Nehmen Sie Ihre minderjährige Tochter auf eine Wanderung mit, sind Sie ihr gegenüber faktisch obhutspflichtig, selbst wenn rechtliche Obhut bei einer anderen Person liegt.

Kompetenzen des Kindes entscheidend

Nehmen Sie Ihre minderjährige Tochter auf eine Bergwanderung mit, sind Sie zunächst verantwortlich dafür, dass sie über eine geeignete Ausrüstung – Schuhe, Wetterschutz, genügend Wasser usw. – verfügt. Ob Sie Ihre Tochter auf eine anspruchsvolle Bergtour mitnehmen dürfen, hängt weiter von deren Alter, Bergerfahrung und sportlichen Fähigkeiten ab. Sie müssen von Fall zu Fall abwägen, ob Sie es verantworten können, Ihre Tochter mit auf die Bergwanderung zu nehmen.

Mitentscheidend ist aber auch die Risikokompetenz Ihres Kindes. Das Bundesgericht setzt bei Bergwanderungen mit Kindern einen erhöhten Sorgfaltsmassstab der Aufsichtspersonen fest, insbesondere da die Risikokompetenz Minderjähriger hier meist nicht gegeben sei: «Selbst körperlich trainierte und ausdauernde Jugendliche reagieren in den Bergen sehr unterschiedlich und nicht selten verlieren sie in Notsituationen die Nerven und neigen zu Fehlreaktionen.»

Verunfallt Ihre Tochter nun auf der Bergwanderung, droht Ihnen eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar fahrlässiger Tötung, wenn Sie Ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.