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Ich bin schwanger. Darf mir meine Arbeitgeberin deswegen kündigen?

Nein, während und wegen einer Schwangerschaft darf die Arbeitgeberin grundsätzlich nicht kündigen.

Während der Schwangerschaft und 16 Wochen nach der Niederkunft sind Sie grundsätzlich vor einer Kündigung geschützt. Diese so genannte Sperrfrist beginnt allerdings erst nach der Probezeit. Der Kündigungsschutz spielt ebenfalls nicht, wenn Ihre Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen fristlos aufhebt.

Aufgrund des Gleichstellungsgesetzes darf eine Schwangerschaft jedoch auch während der Probezeit kein Kündigungsgrund sein, genauso wenig wie eine Mutterschaft nach Ablauf der Sperrfrist ein rechtmässiger Kündigungsgrund ist. Hingegen besteht in der Regel kein Anspruch auf eine Pensumsreduktion nach dem Mutterschaftsurlaub, namentlich in öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnissen ist ein solches Recht jedoch teilweise gesetzlich verankert.

Kündigung während Schwangerschaft

Kündigt Ihre Arbeitgeberin während der Sperrfrist, können Sie das rechtlich gesehen ignorieren: Die Kündigung ist wirkungslos, das Arbeitsverhältnis bleibt unverändert bestehen. Will Ihre Arbeitgeberin tatsächlich kündigen, muss sie dies nach Ablauf der Sperrfrist tun. Sind Sie schwanger, wissen aber noch nichts davon, bleibt die Rechtsfolge der Kündigung während der Sperrfrist gleich: Die Kündigung ist nichtig, auch wenn sie ursprünglich gültig schien.

Werden Sie hingegen erst während der Kündigungsfrist schwanger, ist die Kündigung grundsätzlich gültig, sie wird jedoch aufgeschoben. Die Kündigungsfrist beginnt erst 16 Wochen nach der Geburt weiterzulaufen.

Diese Schutzbestimmungen gelten nicht, wenn Ihre Arbeitgeberin Sie fristlos entlässt. Sie muss dafür allerdings einen wichtigen Grund haben, namentlich muss es für sie nach Treu&Glauben unzumutbar sein, mit Ihnen weiterzuarbeiten. Die Gerichte stellen an diese Unzumutbarkeit hohe Anforderungen, so ist ein wichtiger Grund etwa gegeben wenn Sie sich am Arbeitsplatz strafbar gemacht oder regelmässig die Arbeit verweigert haben.

Kündigung wegen Schwangerschaft

Eine Kündigung wegen der Schwangerschaft ist in der Probezeit oder nach Ablauf der Sperrfrist gültig, aber grundsätzlich missbräuchlich. Das Gleichstellungsgesetz erleichtert hier die Beweislast: Sie müssen nur glaubhaft machen, dass die Kündigung oder Nichtanstellung aufgrund Ihrer Schwanger- beziehungsweise Mutterschaft erfolgt ist. Gelingt Ihnen das, muss Ihre Arbeitgeberin beweisen, dass sie das Arbeitsverhältnis aus anderen Gründen aufgelöst hat. Das Bundesgericht lässt hier nicht jede Begründung gelten, so hat es namentlich den blossen Hinweis auf eine Reorganisation abgelehnt und die Arbeitgeberin zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet. (vgl.: «Gekündigt nach Mutterschaftsurlaub: Immer erlaubt nach Reorganisation?»)

Bewerben Sie sich allerdings in Kenntnis Ihrer Schwangerschaft für eine Tätigkeit, die Sie schwanger nicht ausführen können – etwa weil es sich um eine gefährliche Tätigkeit handelt – müssen Sie die (künftige) Arbeitgeberin über Ihre Schwangerschaft informieren. Denn die Arbeitgeberin muss wissen, ob Sie für die Tätigkeit geeignet sind und darf die entsprechenden Informationen verlangen. Entscheidet sich die Arbeitgeberin hier, Sie nicht anzustellen oder Sie während der Probezeit zu entlassen, ist dies nicht missbräuchlich.